Der Schauspieler Michael Evers (75) wollte das Grab seiner Urgroßeltern, des Ehepaars Cohen auf dem Jüdischen Friedhof in Lingen besuchen und reiste dafür aus Berlin an. Seine Eltern waren Überlebende der Schoa in Deutschland. Bei seinem Besuch kam es auch zu einem Gespräch über seine Lebensgeschichte mit einigen Vorstandsmitgliedern des Forum Juden-Christen Altkreis Lingen e.V. in der Jüdischen Schule.

Michael Evers trägt sich in das Gästebuch in der Jüdischen Schule ein.

Evers war schon einmal als Kind mit seiner Großmutter, Helene Evers, geb.Cohen, in Lingen und hatte bei seinem Besuch jetzt noch sehr eindrücklich das kleine schmucke Rathaus in Erinnerung. Der jüdische Friedhof war allerdings zu jener Zeit nicht zugänglich.

Auf die jetzige Besuchsidee kam er, weil er in einem Berliner Antiquariat das Buch von Anne Scherger und Simon Göhler über den Jüdischen Friedhof Lingen gefunden und erworben hatte. Evers berichtete aus seinem Leben. 

Unter anderem eine Episode aus der Grundschulzeit im Jahr 1956. Auf Wunsch der zum Glauben ihres Mannes konvertierten Großmutter besuchte er den katholischen Religionsunterricht in Hildesheim. Der Lehrer stellte ihn vor die Klasse und sagte: „Das ist einer von denen, die unseren Heiland ans Kreuz genagelt haben.“ – ein Beispiel für den christlichen Antijudaismus ein Jahrzehnt nach Ende des Naziterrors. Die Eltern machten eine Anzeige, worauf der Lehrer vermutlich seine Lehrtätigkeit ruhen lassen musste. Da die Hetze kein Ende nahm, sahen sich die Eltern zu einem Umzug nach Hannover gezwungen.

Der Forums-Vorsitzende Gernot Wilke-Ewert: „Antisemitismus hat 1945 nicht aufgehört. Die Begegnung mit Michael Evers hat uns GesprächsteilnehmerInnen sehr bewegt und wir hoffen auf ein Wiedersehen in Lingen oder Berlin.“