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Herzstück der Gemeinde

Freren (ula) – Als am 9.11.1938 Frerener Bürger die Möbel aus dem Bethaus ihrer jüdischen Mitbürger warfen, hat wohl kaum jemand geglaubt, dass diese religiöse Stätte noch einmal ihrer überkommenen Bestimmung zugeführt werden würde’ Doch nun nach fast 65 Jahren ist es so weit. Welche Funktion genau das Bethaus in der Grulandstraße übernehmen soll, wurde jetzt im Rahmen eines Straßengesprächs vorgestellt.el_am_sonntag-21-07-02_1

“Die Grulandstraße war die jüdische Straße in Freren”, erklärte Lothar Kuhrts vom Forum Juden -Christen und gleichzeitig Leiter der jüdischen Geschichtswerkstatt in Freren. “Hier haben vier jüdische Familien gewohnt. Das Bethaus ist das Herzstück der Gemeinde gewesen.” Nun solle dieses geschichtsträchtige Haus, das Zeuge zahlreicher Gräueltaten geworden ist, wieder zum Leben erwachen.

Reinhard Winter, Erster Kreisrat des Landkreises Emsland, wies auf die zentrale Bedeutung des Bethauses für den Landkreis hin, der demnächst 25 Jahre alt werde. “Wir haben schon früh mit der Aufarbeitung der NS-Zeit im Emsland begonnen”, so Winter. Als Beispiele für diese Aktivitäten nannte er unter anderem das Dokumentations- und  Informationszentrum (DIZ) über die Emslandlager bei Papenburg sowie die zentrale Gedenkstätte bei der Rheder Kirche. ,,Auch die Wiederbelebung des Bethauses werden wir mit allen Kräften unterstützen”, betonte er. Dabei gehe es darum, eine Stätte der Begegnung, des Gesprächs und des Gebetes einzurichten.

Auf den geradezu symbolischen Standort des Bethauses zwischen der katholischen und evangelischen Kirche wies Samtgemeindebürgermeister Godehard Ritz hin. “Hier ist ein Ort, wo das Verständnis der Religionen untereinander gefördert werden kann”, sagte er. “Wenn wir in einer gemeinsamen Anstrengung dieses Haus saniert haben, können wir in
Freren wieder stolz sein.” Bürgermeister Klaus Prekel mahnte, dass die in der vergangenen Zeit geführten Diskussionen über die Kosten und den Nutzen des Bethauses nun nicht weitergeführt werden sollten. Die Gemeinde stehe hinter der Initiative und werde sich an dem Projekt beteiligen.

 el_am_sonntag-21-07-02_2Dieser Mahnung schlossen sich auch die übrigen Gesprächsteilnehmer an. “Die Projekte dürfen nicht gegenseitig ausdiskutiert werden”, so Winter. Kein einziges Vorhaben werde aus der Förderung herausfallen, solange vernünftige und schlüssige Anträge vorgelegt würden. Abschließend teilte der Vorsitzende des Forums Juden – Christen im Altkreis Lingen, Reinhold Hoffmann, mit, dass Paul Spiegel, Vorsitzender des Zentralrates der Juden in Deutschland, die Schirmherrschaft über das Haus übernehmen werde. Zudem warb Hoffmann nochmals nachdrücklich für das Vorhaben und lud besonders die unmittelbaren Nachbarn des Hauses ein, sich aktiv an der Planung zu beteiligen. “Hier wird nichts geschehen, ohne dass Sie informiert werden”, versprach er.

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