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Bethaus  150 Gäste aus aller Welt in Freren – Schily sagte Teilnahme kurzfristig ab

Das renovierte Gebäude soll das Judentum erfahrbar und spürbar machen. Es gelte, die Rolle der Täter zu beleuchten.

FREREN/HLW – Vor rund 150 Gästen aus aller Welt ist gestern in Freren das 1855 errichtete jüdische Bethaus wieder eröffnet worden. Das Zentrum Juden-Christen in Lingen hatte die Einrichtung ein Jahr lang renoviert, sagte  Vorsitzender Reinhold Hoffmann zur Eröffnung. Die Beträume waren in der Pogromnacht des 9. November 1938 von den Nationalsozialisten verwüstet worden. Das Gebäude soll künftig zur Begegnung der Religionen genutzt werden. Bundesinnenminister Schily (SPD) hatte seine Teilnahme an der Eröffnung kurzfristig abgesagt.gn_26-04-04_01

Anliegen des Forums sei es, das Judentum erfahrbar, hörbar und auch spürbar zu machen, betonte Hoffmann, der die rund 470 000 Euro für den Erwerb des Grundstücks, die Sanierung, Sicherheitskosten und Einrichtung als beträchtlich darstellte. „Wir sind deshalb sehr vielen zu Dank verpflichtet, ohne deren Hilfe wir gar nicht über die Schwelle dieses Hauses gekommen wären.

 Der „Lernort Jüdisches Bethaus” soll der Forschung dienen, damit das jüdische Leben im Emsland nicht nur aus der
Sicht der Opfer beschrieben wird. „Wir wollen auch die Rolle der Täter stärker beleuchten. Wenn Geschichte sich nicht wiederholen soll, muss man über Hintergrundwissen verfügen”, so Reinhold Hoffmann.gn-26-04-04_02

Das Bethaus zählt zu den ältesten Einrichtungen dieser Art in Niedersachsen. Zunächst zwei Mal pro Jahr soll das Haus für jüdische Gottesdienste genutzt werden. Am 11. Dezember 1941 waren die Bewohner und gleichzeitig die letzten Frerener Juden – das Ehepaar Manne samt dem zweijährigen Sohn – in das Getto Riga deportiert worden. Mitglieder der Familie Manne, die heute in New York leben, nahmen an der Eröffnungsfeier teil.

Musikalisch umrahmten ein Streicherduett und der Chor der jüdischen Gemeinde Osnabrück unter der Leitung von Ella Herz den Festakt.

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