Lingen


Direkt neben dem Alten Friedhof am Dortmund–Ems–Kanal liegt der Judenfriedhof von Lingen. Von der Weidestraße aus ist er zugänglich. Eine Mauer bildet hier die Abgrenzung zur Straße. Bis 1926 bestatteten auch die Juden aus Lengerich und Freren ihre Verstorbenen in Lingen. Heute ist der Friedhof mit seinen 71 erhaltenen Grabmälern sehr gut erhalten. Über Schändungen zu NS-Zeiten gibt es widersprüchliche Aussagen. Der jüngste Grabstein ist aus dem Jahre 1976. Viele der älteren Lingener können sich an die Namen auf den Grabmälern erinnern, haben doch auch die jüdischen Mitbürger das Leben in der Stadt geprägt.

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Bild: Judenfriedhof in Lingen

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Bild: Judenfriedhof in Lingen
Synagoge Lingen

Noch in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts waren die Lingener Juden eng mit der Synagogengemeinschaft Freren verbunden. Im Jahr 1869 jedoch erhielt Lingen die Erlaubnis, eine eigene Synagogengemeinde zu gründen. Nach verschiedenen Behelfslösungen für die Unterbringung von Schule und Betraum wurde noch im selben Jahr ein Fonds für die Synagoge gegründet. Es folgte die Einrichtung eines Bauvereines. Doch erst im Jahr 1878 konnten die beiden Gebäude auf einem Grundstück nahe dem Lookentor in der Gertrudenstraße eingeweiht werden. Die Reaktionen der Lingener waren geteilt. So berichtete der katholische „Lingener Volksbote“ nicht über das Ereignis, nahm aber später oft antisemitische Kommentare auf, während das preußisch-kaiserliche „Lingensche Wochenblatt“ wohlwollend berichtete. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts verlor die jüdische Gemeinde viele Mitglieder durch Wegzug, der Unterhalt der Synagoge wurde zum Problem. Auch diese Synagoge wurde während des Novemberpogroms 1938 in Brand gesteckt und so völlig zerstört. Auf Grund ihrer Nähe zu anliegenden Häusern wurde die jüdische Schule verschont.

Gedenkort Jüdische Schule in Lingen

Bis zum Jahr 1873 gab es einen jüdischen Schulverband, der aus Lingen und Freren bestand. Beide Gemeinden entschlossen sich aber, diesen aufzulösen. Nach längerem Suchen fand sich ein Lehrer, am 2. Mai 1875 wurde eine jüdische Elementar- und Religionsschule eröffnet. Vorerst war diese im Gebetsraum untergebracht, der sich im Haus des Gemeindemitgliedes Isaak Friedland befand. Mit dem Bau der Synagoge nahe dem Lookentor in der Gertrudenstraße wurde auch der Bau einer Schule beschlossen. Am 19. September 1878 konnten beide Gebäude festlich eingeweiht werden. Im Laufe des Novemberpogrom wurde die Synagoge vollständig durch ein Feuer zerstört, die Schule jedoch verschont. Zeitzeugen berichten, dass ihre Nähe zur Bäckerei Kemper sie vor den Flammen bewahrt hatte. Dieser Bäckermeister erwarb im Jahr 1939 auch den Teil des Grundstückes, auf dem die Schule stand. Sie überstand den Zweiten Weltkrieg. Im Jahr 1997 erwarb die Stadt Lingen die Schule. Nach der Renovierung wurde 1998 der „Gedenkort Jüdische Schule“ eingeweiht. Im Gebäude an der Jacob-Wolf-Straße kann man auf Wandtafeln viel über die Lingener Juden erfahren und verschiedene Kultgegenstände betrachten. Besichtigungen und Führungen, auch für Schulklassen, sind nach Absprache mit der Stadt möglich.