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In Schweden auf Homepage des Forums gestoßen – Bruder im KZ getötet

Freren (pe)
Ihren kleinen Bruder Samuel Manne haben seine Schwestern Renee und Eva nie kennen gelernt. Der Junge starb, keine vier Jahre alt, in der Vernichtungsmaschinerie von Auschwitz. Am 8. November werden die beiden Schwestern von Schweden aus nach Freren kommen und erstmals das Haus ihrer Eltern sehen. Es wird ein bewegender Moment sein, auch für das Forum Juden-Christen.lt_23_10_03_1

Die Sanierung des ehemaligen jüdischen Bethauses in der Grulandstraße, wo Erika und Martin Manne mit ihrem Sohn Samuel wohnten, bevor sie 1941 deportiert wurden, ist weit vorangeschritten. Im April 2004 ist die Einweihung der Begegnungsstätte geplant. Ausführlich stellt das Forum Juden-Christen diese und die vielfältigen anderen Aktivitäten auf seiner Homepage im Internet dar. Die Lebens- und Leidensgeschichte der Familie Manne, recherchiert von Forum-Mitglied Lothar Kuhrts, gehört auch dazu.

Samuel wurde in der Silvesternacht 1939 geboren. Bereits 1941 wurde er mit seinen Eltern und der Großmutter nach Riga deportiert, und von dort aus 1943 nach Auschwitz. Während seine Eltern den Holocaust überlebten, wurden Samuel und seine Großmutter unmittelbar nach der Ankunft Anfang November 1943 vergast. Erika und Martin Manne siedelten nach dem Krieg nach Schweden um. Dort kamen die Töchter Eva, heute 5 7 Jahre alt, und Renee, 51, zur Welt.lt_23_10_03_2

 Als Reinhold Hoffmann, Vorsitzender des Forums, vor ein paar Tagen nun eine e-Mail aus Schweden bekam, stockte ihm der Atem. Es war Renee Manne, die im Internet auf die von Willi Kastein akribisch gepflegte Homepage des Forums gestoßen war, damit auch auf die Geschichtswerkstatt „Samuel Manne” von Lothar Kuhrts und die enormen Anstrengungen des Forums, das Elternhaus der Mannes zu sanieren.„ Ich bin sehr gerührt, alles über das Haus meiner Mutter lesen zu können”, schrieb Renee. Erika Manne war 2002 gestorben, der Vater Martin bereits mehrere Jahre zuvor.

„Die Nachricht ging mir total unter die Haut”, erinnerte sich Hoffmann. Er antwortete sofort. Weitere e-Mails und Telefonate folgten mit dem Ergebnis, dass die beiden Schwestern nicht nur zur Eröffnung des Bethauses im April 2004 nach Freren kommen werden, sondern bereits vom 8. bis 10. November. Dann finden die Gedenkfeiern zur Erinnerung an die Reichspogromnacht statt.

Am Morgen des 10. November 1938 hatten Nationalsozialisten auch das Haus der Familie Manne, das die jüdische Gemeinde außerdem als Bethaus benutzte, gestürmt.

Das Mobiliar und die sakralen Einrichtungsgegenstände warfen sie aus dem Fenster des ersten Stockes, wo sich der Betraum befand. Was mag den beiden Schwestern durch den Kopf gehen, wenn sie die Grulandstraße zum ersten Mal entlanglaufen, im Gebäude die alten Holzstufen nach oben gehen und oben aus dem Fenster schauen?

Renee Manne war über eine Suchmaschine im Internet nach der Eingabe des Namens von ihrem Bruder Samuel auf die vielen Links gestoßen, die nach Freren und zum Forum Juden-Christen führten. „Ohne diese Homepage wäre dieser Kontakt wohl nicht zustande gekommen”, dankte Hoffmann Willi Kastein für dessen mitunter auch nächtelangen Bemühungen am Computer.

Das Forum will mit der intensiven Nutzung dieses Mediums eben nicht nur verstärkt jüngere Leute erreichen, sondern versteht das weltweite Datennetz auch als Brückenschlag zu ehemaligen jüdischen Mitbürgern, die im Ausland wohnen.

Ein Dauergast auf der Internetseite ist zum Beispiel Bernhard Süßkind, Ehrenbürger von Fürstenau, der seit vielen Jahren in New York lebt. Nachdem er aufgestanden sei, schaue er zunächst nach, welche e-Mails vorliegen würden, schilderte  Süßkind einmal seinen Tagesablauf. Der zweite Schritt sei dann ein Klick auf die Homepage des Forums. „Sie bringt mich meiner alten Heimat näher”, sagte er.

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