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Jüdisches Bethaus in Freren soll am 25. April eingeweiht werden – Hoffmann: Sind vielen zu Dank verpflichtet

Freren (pe)
Das jüdische Bethaus in Freren soll nach seiner Einweihung am 25. April zu einem Ort der Begegnung von Menschen werden, wo die Religionen voneinander lernen können. Dies hat der Vorsitzende des Forums ludenChristen im Altkreis Lingen, Reinhold Hoffmann, in einem Interview betont.

Herr Hoffmann, die Sanierung des jüdischen Bethauses ist beendet. Wann wird das Gebäude eingeweiht?
Hoffmann: Die Einweihung soll am Sonntag, 25. April, erfolgen. Wir alle vom Forum Juden-Christen sind nach der Arbeit der vergangenen Monate sehr froh darüber, dass es nun endlich so weit ist. Eingeladen sind im Übrigen auch die beiden Schirmherrn des Hauses, der Vorsitzende des Zentralrates der Juden in Deutschland, Paul Spiegel, und der frühere Ministerpräsident Sigmar Gabriel. Ob sie kommen werden, wissen wir aber noch nicht.

Welchen Zweck soll das Haus erfüllen, in dem die jüdische Familie Manne bis zur Deportation durch die Nationalsozialisten wohnte und das bis zur Pogromnacht am 9./10. November 1938 der jüdischen Gemeinde als Bethaus diente?
Hoffmann: Das Gebäude ist das einzige noch erhaltene jüdische Bethaus im Emsland mit einer zu Herzen gehenden Geschichte, wenn man an den Sohn Samuel denkt, der als Kleinkind in Auschwitz ermordet wurde. Paul Spiegel hat aber auch einmal gesagt, dass wir das Judentum nicht auf den Holocaust reduzieren dürfen. Das Bethaus soll für uns ein Ort der Begegnung von Menschen sein, wo die Religionen voneinander lernen können. Anliegen des Forums ist es, das Judentum erfahrbar, hörbar und auch schmeckbar zu machen. Dabei wollen wir als Christen das Judentum nicht kopieren. Je mehr wir aber voneinander erfahren, desto mehr wird das Gefühl der Fremdartigkeit verloren gehen.

r_hoffmDas Projekt Bethaus hat viel Geld gekostet und deshalb neben Lob für das Engagement des Forums auch Kritik hervorgerufen. Wie gehen Sie mit diesen Stimmen um?
Hoffmann: Es ist unbestreitbar, dass die Summe von rund 470000 Euro für den Erwerb des Grundstücks, die Sanierung, Sicherheitskosten und Einrichtung beträchtlich ist, vergleichbar mit den Kosten seinerzeit für die Jüdische Schule in Lingen. Wir sind deshalb vielen zu Dank verpflichtet, vor allem Landrat Bröring, ohne dessen Hilfe wir gar nicht erst über die Schwelle dieses Hauses gekommen wären. Seit der Entscheidung über den Ankauf des Gebäudes haben die Mitglieder des Vorstandes für dieses Projekt direkt und dessen inhaltliche Ausgestaltung mehr als 2400 Stunden aufgewandt. Die Geschichte des Samuel Manne rechtfertigt aber diese Anstrengung. Das Bethaus soll deshalb auch ein Ort der Forschung werden, in dem das jüdische Leben im Emsland nicht nur aus der Sicht der Opfer beschrieben wird. Wir wollen auch die Rolle der Täter stärker beleuchten. Wenn Geschichte sich nicht wiederholen soll, muss man über Hintergrundwissen verfügen.

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