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Rabbiner Marc Stern aus Osnabrück sprach vor Emsbürener Schülern über die Zehn Gebote – Erlöser von der Sklaverei

Emsbüren (ra) Seltenen Besuch hatte die Liudger-Realschule in Emsbüren. Rabbiner Marc Stern von der jüdischen Gemeinde Osnabrück war einer Einladung der Schule und des Forums Juden-Christen gefolgt, um aus seinem Buch „Die Zehn Gebote” zu lesen und Fragen der jungen Leute zu beantworten.

Die 200 Schülerinnen und Schüler waren nicht unvorbereitet zu der in der Aula stattfindenden Veranstaltung gekommen. Die Bilder, Texte und Collagen an den Stellwänden bewiesen, dass man sich im Vorfeld mit dem Thema „Judentum-Christentum” auseinander gesetzt hatte.lt-30-08-03

Der Rabbiner erzählte die Geschichte der Zehn Gebote so, wie er sie in der Schule gehört und gelernt habe. Da wird zunächst auf die große Heilstat Gottes verwiesen: Die Befreiung aus der ägyptischen Knechtschaft. Gott, so der Rabbiner, stelle sich nicht mit irgendeinem seiner Titel, etwa als Schöpfergott, vor, sondern gezielt mit dem Hinweis „der dich aus Ägypten, aus dem Sklavenhaus, herausgeführt hat”.

Gott habe den Beweis seiner Existenz nicht deutlich gemacht, indem er als Schöpfer der Welt, sondern als Erlöser von Sklaverei aufgetreten sei.

So hätten alle an ihn glauben können. Und keiner, der seinen Weg verlassen habe, hätte dafür eine Entschuldigung vorzubringen vermocht, betonte der Geistliche. Atemlose Stille herrschte in der großen Aula, als Marc Stern die Verkündigung der „Zehn Gebote” am Sinai schilderte.

Wer anders als Marc Stern hätte eindrucksvoller mit den Mitteln der Sprache die Allmacht Gottes und das kostbare Geschenk seiner Gebote an Menschen schildern können? Allen 70 Völkern der Erde, so hieß es, habe Gott seine Gebote angeboten. Nur das jüdische Volk habe sich bedingungslos bereit erklärt, sie mit allen Rechten und Pflichten anzunehmen. Doch auch damit sei es noch nicht des Geschenkes für würdig erachtet worden.

Erst nachdem entsprechende Voraussetzungen geschaffen worden seien, habe Gott sie dem auserwählten Volk übergeben. „Das Erlebnis der Offenbarung war so Furcht erregend, dass die ganze Erde wie gelähmt war”, beschrieb der Rabbiner die Übergabe der Gesetzestafeln an Moses.

Wie faszinierend man mit dem Mittel der Sprache eine Szene darstellen und Gott „zu Wort kommen” lassen kann, mag folgender Satz aus dem Munde des Rabbiners ver­deutlichen: „Das Volk hörte nicht nur Gottes Stimme, sondern sah sogar die Schallwellen, die aus seinem Munde strömten.” So wird  auf das unfassbare Geschehen am Sinai und die große Bedeutung der Gebote, welche auch die großen Lebensgüter schützen, die der Mensch von seinem Schöpfer erhalten hat, verwiesen. „Die Zehn Gebote sind Botschaften der Liebe und des Miteinanders”, sagte der Rabbiner. Und eines der wichtigsten Gebote – die Nächstenliebe – sei eine Brücke zwischen Juden und Christen.

An dieser Brücke baut seit geraumer Zeit auch das Forum „Juden-Christen”, dessen Vorsitzender Reinhold Hoffmann auf das restaurierte jüdische Bethaus in Freren verwies und zu einem „Zentrum des Dialogs” ausgebaut werden soll. Hingewiesen wurde auch auf die Aktion „Ein Baum für Israel”. Wer sich mit zehn Euro beteiligt, trägt dazu bei, dass im „Heiligen Land” ein „Emsland-Hain” angepflanzt werden kann.

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