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,,Der Kindertransport nach England war meine Lebensrettung”, sagte Bernhard Grünberg, Ehrenbürger der Stadt Lingen, auf der Gedenkfeier an die Reichspogromnacht im November 1938 am Gedenkstein Grulandstraße in Freren.

Unter der Federführung von Lothar Kuhrts, Leiter der Jüdischen Geschichtswerkstatt ,,Samuel Manne” in der Alten Molkerei Freren, fand am Freitag am Gedenkstein Grulandstraße eine würdevolle Erinnerungsfeier an die grausame gedenken_2001_freren Judenverfolgung der Nationalsozialisten während des Dritten Reiches statt. Der Bildhauer Johannes Zoller, der zurzeit in der Alten Molkerei eine Ausstellung seiner Kunst präsentiert, übernahm die musikalische Gestaltung mit einer Improvisation von zwei jüdischen Friedensliedern auf seiner Querflöte.

Lothar Kuhrts, der in seiner Ansprache an den Holocaust und die furchtbaren Leiden der damaligen jüdischen Mitbürger erinnerte, konnte eine große Teilnehmerzahl begrüßen, insbesondere viele Frerener Schüler und Schülerinnen und als besondere Gäste zwei Überlebende des Holocaust, Irmgard Ohl und Bernhard Grünberg, außerdem Samtgemeindebürgermeister Godehard Ritz und Bürgermeister Klaus Prekel, die ein schönes Herbstgesteck am Mahnmal ablegten, sowie die Pastöre Ansgar Wilken und Eberhard Hündling.

In besonderer Weise gedachte Kuhrts der sechs Frerener Bürgerinnen und Bürger, die Weihnachten 1941 in Bahnwaggons nach Riga deportiert wurden. Während Simon Schwartz, Siegfried Meyberg, Emma Schwartz und Samuel Manne ermordet wurden, überlebte das Ehepaar Erika und Martin Manne in Schweden.

Godehard Ritz wies in seiner Ansprache darauf hin, dass ,,gedenken” sich erinnern bedeute und das sei das Gegenteil von verdrängen, vergessen, aber auch nicht sehen wollen. Niemals werde er begreifen, ,,wie Menschen zu solch menschenverachtendem und menschenzerstörerischem Verhalten fähig waren.”

Umso wichtiger sei es die Aufgabe eines jeden, gegen dieses Vergessen und Verdrängen anzugehen und Diskriminierungen anderer schon im Ansatz zu unterbinden. Das erfordere Zivilcourage, die aber für ein menschliches Miteinander absolut unerlässlich sei. ,,Nutzen wir die Minuten dieses Gedenkens auch, um über unser eigenes Verhalten im Alltag kritisch nachzudenken”, bemerkte Ritz abschließend.

Bernhard Grünberg, der als Lingener Junge im Dezember 1938 auf Veranlassung der Reichsvereinigung der deutschen Juden und der englischen Judenvertretung mit dem zweiten Kindertransport nach England kam, und Irmgard Ohl, die aus Osnabrück stammt und die Familie Manne im Deportationszug nach Riga kennenlernte, erinnerten in ihren kurzen Ansprachen an ihr damaliges Schicksal. Nach einem besinnlichen Musikstück beendete Bernhard Grünberg die Gedenkfeier mit dem Khaddisch, einem jüdischen Totengebet.

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