Zur Eröffnung der „Lehrhausgespräche“ begrüßte Dr. Heribert Lange, im Forum für Veranstaltungen zuständig, Dr. Ulrike Offenburg. Seit der Ordination durch das Hebrew Union College in Jerusalem arbeitet die promovierte Historikerin als Rabbinerin der liberalen Synagogengemeinde Hameln-Bad Pyrmont.

Rabbinerin Offenberg verdeutlicht die Vielfalt der jüdischen Gemeinde Hameln. Foto: Agnes Kläsener, LWH

Im freien Vortrag stellte Offenberg die Lage des Judentums in den Jahren nach 1945 dar. Rund sechs Millionen europäische Juden waren von den Na­zis und ihren Helfern ermordet worden. Überlebende des Holocaust waren oft traumatisiert und orientierungslos. Wer Verfolgung oder Konzentrationslager erlebt hatte, befand sich oft fern der Heimat. Aus Deutschland geflohene Ju­den harrten im Exil aus. Zurück nach Deutschland? Für viele Juden war das völlig unvorstellbar – im Land selbst, aber oft auch innerhalb der jüdischen Gemeinschaft weltweit. Dennoch wagte eine ganze Reihe von Juden diesen Schritt.

Hinzu kamen jüdische Menschen, die wegen der NS-Verfolgung ins Ausland geflohen und dann wieder zurück nach Deutschland gegangen waren. Dazu noch die „Displaced Persons“, rund 200.000 Juden aus Osteuropa, die nicht mehr in ihre alte Heimat zurückkehren konnten oder wollten, und deren Zahl noch anstieg. Viele der „Displaced Persons“ wanderten nach Israel oder in die USA aus. Die wenigen verbliebenen Juden gründeten Synagogengemein­den.

Offenberg: „ Um 1990 waren die Synagogengemeinden überaltert, es gab noch etwa 20.000 Juden in Deutschland.“ Dann sei das Wunder geschehen. Durch den Zusammenbruch des Ostblocks kamen viele jüdische Menschen nach Deutschland, zunächst in die DDR. Die letzte und einzige demokratisch gewählte DDR- Regierung hatte die uneingeschränkte Aufnahme von Juden zugesagt. Damit seien die Gemeinden aufgeblüht und neue gegründet wor­den, auch die in Hameln. In der von Agnes Kläsener geleiteten Diskussion mit etwa sechzig Zuhören in der Aula des LWH ging es um Antisemitismus, liberale und orthodoxe Ge­meinden und die Zukunftsaussichten des Judentums. Dazu wünschte sich Offenberg mehr Aktive aus der jüngeren und mittleren Generation. Engagiert sprach sich die Rabbinerin für den interreligiösen Dialog aus.