Lehrhausabend mit Horst J. Rieth zum Leben und Wirken von Jakob Werlin

Mit diesem Resümee beendete Horst J. Rieth seinen Vortrag zum Leben und Wirken von Jakob Werlin, Direktor bei Daimler Benz und Freund Adolf Hitlers. Unter dem Titel „Er war dem Mann restlos verfallen…“ hat er dazu ein Buch geschrieben, welches er im Rahmen eines Lehrhausabends der Forums Juden-Christen im Altkreis Lingen e.V. im Vortragsraum des Emslandmuseums vorstellte.

Der gebürtig aus Österreich stammende Jakob Werlin (1886-1965) war nach dem 1. Weltkrieg als Autoverkäufer in München tätig. Dort lernte er Adolf Hitler kennen, den er, wie auch andere aufstrebende Nazis, als Mercedes-Händler mit Autos versorgte. Nach der Machtergreifung wurde er dank seiner guten Kontakte zu Hitler 1934 in den Vorstand der Daimler-Benz AG berufen. Er gehörte fortan, wie Albert Speer, zur Entercourage des „Führers“ und wurde sein Generalinspekteur für das Kraftfahrwesen. In diesem Zusammenhang engagierte er sich unter anderen intensiv an der Entwicklung des Volkswagens durch Ferdinand Porsche. Werlin war frühes Mitglied der NSDAP und trat 1932 in die SS ein, wo er bis zum Ehrenführer befördert wurde.

Die nach 1933 einsetzenden Motorisierungswelle, inclusive der Heldenverehrung für Rennfahrer wie Rudolf Caricciola und Bernd Rosemeyer, rettete die in den frühen dreißiger Jahren durch die Weltwirtschaftskrise in finanzielle Bedrängnis geratene Daimler Benz AG. Werlin hielt engen Kontakt zur Rennsportprominenz und begleitete 1937 mit großer Begleitmannschaft Bernd Rosemeyer zum Vanderbilt-Cup nach New-York, den dieser gewann.

Nach Kriegsende war Werlin ab Juli 1945 in Moosburg von den US-Amerikanern interniert und wurde von dort 1948 als Mitläufer entlassen. Ab 1951 gehörten ihm die Verkaufs- und Servicestellen von Daimler-Benz in Rosenheim und Traunstein.

Der Vortrag und die anschließende Diskussion verdeutlichten die Bedeutung des Automobils für die NS-Bewegung und den von ihnen beherrschten Staat. Die von der NSDAP und ihren Gliederungen geförderte motorisierte Fortbewegung symbolisierte den Traum von Freiheit und Abenteuer in den 1930er Jahren. Viele, vor allem Jugendliche, bewunderten die „Helden der Rennbahn“. Dadurch gelang es mühelos die Faszination der Jugend für die moderne Technik mit vormilitärischer Ausbildung und den Zielen des Regimes zu verknüpfen.

Der stellv. Vorsitzende Dr. Walter Höltermann dankt Horst J. Rieth für seinen Vortrag mit einem Schalomstein zum Wirken und Leben von Jakob Werlin. Fotoquelle: Anne Gottschalk

Der stellvertretende Vorsitzende des Forums, Walter Höltermann, dankte Herrn Rieth für seinen Besuch und für seine Präsentation. Als Dank überreichte er ihm einen „Shalom Stein“ mit dem Zeichen des Granatapfels. Dieser ist nicht nur ein Ewigkeitssymbol, sondern steht in allen monotheistischen Religionen für Leben, Frieden und Fruchtbarkeit.