Lingen (Ems). Wie lebten jüdische Familien früher in Lingen? Welche Spuren haben sie hinterlassen und was können wir aus ihrer Geschichte für die Gegenwart lernen? Diesen Fragen gingen Anfang Oktober rund 130 Schülerinnen und Schüler der sechsten Klassen der Marienschule Lingen nach. Im Rahmen ihres Religionsunterrichts besuchten sie den Lern- und Gedenkort Jüdische Schule sowie den Jüdischen Friedhof.

Eine der fünf sechsten Klassen der Marienschule Lingen besuchte im Rahmen eines Projekttages zum jüdischen Leben in Lingen den Lern- und Gedenkort Jüdische Schule sowie den Jüdischen Friedhof. Dabei erhielten die Schülerinnen und Schüler spannende Einblicke in die jüdische Geschichte ihrer Heimatstadt. (Foto: Anne Gottschalk)

Unter dem Thema „Jüdisches Leben in Lingen – mit allen Sinnen erleben“ begaben sich die fünf Schulklassen auf eine Reise durch die jüdische Geschichte der Stadt. Von den Anfängen jüdischen Lebens über das gesellschaftliche Miteinander im 19. Jahrhundert bis hin zur zunehmenden Ausgrenzung, Verfolgung und Ermordung jüdischer Bürgerinnen und Bürger während der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft erhielten die Jugendlichen eindrucksvolle Einblicke in die Vergangenheit.

Dabei wurde deutlich, dass Geschichte keineswegs nur Vergangenheit ist. Die Auseinandersetzung mit den Schicksalen jüdischer Familien verdeutlichte den Schülerinnen und Schülern, wie wichtig Menschenwürde, Toleranz und ein respektvolles Miteinander sind. Das im Grundgesetz verankerte Gebot, die Würde jedes Menschen zu achten, und die Verantwortung, Antisemitismus und Ausgrenzung entschieden entgegenzutreten, standen dabei im Mittelpunkt.

Anschließend besuchten die Klassen den Jüdischen Friedhof in Lingen und erfuhren Wissenswertes über jüdische Bestattungsriten und die Bedeutung des Friedhofs als Erinnerungsort.

Besonders kreativ wurde es zum Abschluss: Zurück in der Schule bauten die Schülerinnen und Schüler den historischen Lern- und Gedenkort Jüdische Schule maßstabsgetreu als Miniaturmodell nach. So konnten sie das zuvor Erlebte auf besondere Weise vertiefen.

Der Besuch zeigte, wie lebendig und anschaulich Erinnerungsarbeit gestaltet werden kann. Geschichte mit allen Sinnen zu erfahren, der Opfer zu gedenken und daraus Verantwortung für die Zukunft abzuleiten – das war die zentrale Botschaft dieses besonderen Unterrichtsprojekts.