Duo NIHZ restaurierte Lieder von Rob Heilbut

Lingen. In der Kunsthalle Lingen konzertierte Bobby Rootveld (Nordhorn/ Tel Aviv) mit weiteren Musikern zum Thema „Songs from the Holocaust by Rob Heilbut.“

Robert Emanuel (Rob) Heilbut wurde 1919 in Amsterdam geboren und 1945, kurz vor der Befreiung vom Naziterror, ermordet.

Der jüdische Akkordeonist Heilbut hatte seine Lieder nach Noten und Texte getrennt notiert. In zehnjähriger Arbeit restaurierten Bobby Rootveld und seine Frau Sanna van Elst die immer fröhliche Musik Heilbuts, der sich im Amsterdamer Ghetto und in den KZs Westerbork und Bergen-Belsen seine Lebensfreude nicht nehmen lassen wollte.

Im Konzert, veranstaltet vom Forum Juden-Christen Altkreis Lingen und der Kunsthalle, erklangen Tangomelodien ebenso wie Klezmer und Schlager, nach den Worten Rootvelds einem jddischen Wort mit der schlichten Bedeutung „Lied“. Vorgetragen wurden die Songs von Heilbut in niederländischer oder englischer Sprache, erklärend von Rootveld auf deutsch kommentiert.

In Bergen- Belsen, seiner letzten Leidensstation, schrieb Rootveld, in deutsch und niederländisch, Refrain: „Wir singen ein Schlager/speziell für das Lager/wij zingen en lied voor het kamp“. Gemeinsam mit einem Freund sang Heilbut dieses Lied zwischen den Baracken. Überlebende von Bergen-Belsen erinnerten sich noch Jahrzehnte später an dieses Lied.

Die Zuhörenden empfanden den Widerspruch zwischen den immer fröhlichen Liedern mit situationsbezogenen Texten und der Lebens-und Leidensgeschichte Heilbuts. Dieser erwiderte auf die Kritik von Mitgefangenen, seine Musik passe nicht zur entwürdigenden Lage unter dem Naziterror, er lasse sich beugen, aber nicht brechen.

In der Begrüßung wiesen die Direktorin der Kunsthalle, Maike Behm und Simon Göhler, Vorsitzender des Forum Juden-Christen, darauf hin, dass die Lieder Heilbuts neben der musikalischen Qualität ein wichtiger Beitrag zur Erinnerungskultur seien. Behm zufolge sei das Konzert wichtig, weil jeden Tag über antisemitische Angriffe berichtet werde. Sie wandte sich gegen Versuche der AfD, die Mordtaten der Nazis aus dem gesllschaftlichen Gedächtnis zu streichen.

Göhler äußerte die Hoffnung, dass die Musik Heilbuts daran erinnern könnte, dass hinter den ungeheuren Zahlen der Naziverbrechen einzelne Menschen mit Namen, Träumen und einer eigenen Geschichte standen.

Das Publikum dankte den Musikern mit stehenden Ovationen.

BU: v.l: Martin Sterken (Niederlande), Levi Rootveld, Bobby Rootveld, Orna Baija (alle Deutschland/ Israel), und Gergö Pazmandi (Ungarn). Foto: Friedhelm Wolski-Prenger

Das Buch über Rob Heilbut ist zu beziehen unter ISBN 978903494906