Bernhard Grünberg 1923 – 2021


Zwischen Ende November 1938 und dem Beginn des Zweiten Weltkriegs am 1. gruenbergSeptember 1939 konnten fast 10 000 Kinder im Rahmen von sogenannten Kindertransporten  aus Deutschland nach Großbritannien ausreisen. Großbritannien wie auch Belgien und Schweden erlaubten die Einreise von Kindern unter dem Eindruck der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 (Novemberpogrome). Auch Bernhard Grünberg aus Lingen gelang auf diesem Weg die Flucht. Er überlebte so die Massenmorde der Naziterroristen an jüdischen Menschen.

Von April bis Dezember 1938 konnte Bernhard Grünberg (* 1923) als 15-jähriger an einer Berufsvorbereitung zum Tischler in der Umschichtungsstelle (Hachschara) der Reichsvertretung der Juden in Deutschland in Berlin-Niederschönhausen teilnehmen konnte. Mit großer Wahrscheinlichkeit hat der damalige Leiter Leopold Kuh, dafür gesorgt, dass Bernhard mitreisen konnte. Die Genehmigung zur Emigration musste seine Mutter treffen, da sein Vater zu der Zeit im KZ war.

Bernhard Grünberg reiste darum am 9. Dezember 1938 von Berlin nach Lingen, um sich von seiner Familie zu verabschieden. Familie Grünberg wohnte in der Georgstraße 12. Am selben Abend kam sein Vater Bendix aus dem KZ-Buchenwald zurück, wo er  nach den Novemberpogromen vom 10. November 1938 vier Wochen im KZ Buchenwald gefoltert worden war.

Am nächsten Tag, dem 10. Dezember, brach Bernhard von Lingen auf, um sich in Berlin zur Abfahrt des Kindertransports am 13. Dezember einzufinden. In Rheine kam es zu einer für “Transportkinder” einzigartigen  Begegnung: Bendix Grünberg stieg zu und begleitete seinen Sohn die letzten Kilometer bis zur holländischen Grenze nach Bentheim. Eine letzte Begegnung mit dem Vater, der wie Bernhards Mutter Marianne und seine Schwester Gerda von den Nazis und ihren Helfern in Riga und Stutthoff ermordet wurden.

Seit Ende der 1980er Jahre berichtete Bernhard Grünberg, der wie fast alle durch Kindertransport geretteten Kinder die englische Staatsbürgerschaft angenommen hatte und seinen Namen in Bernard Grunberg anglisierte, in Gesprächen mit Schulklassen und Gruppen, in Lingen oder England (Holocaust Centre Beth Shalom) von seiner Geschichte des Kindertransports und des mörderischen Antisemitismusdem seine Eltern und seine Schwester wie etwa sechs Millionen anderer jüdischer Menschen zum Opfer fielen.

Er wurde Ehrenbürger der Stadt Lingen und schuf das eiserne Eingangstor zum Gedenkort Jüdische Schule in Lingen. Die Bernard-Grünberg-Straße in Lingen wurde noch zu seinen Lebzeiten nach ihm benannt. 

Bernhard Grünberg verstarb am 16. Januar 2021 an einer Covid-19- Infektion. Er wurde fast 98 Jahre alt. Im April 2021 wurde er, wie von ihm gewünscht, auf dem Jüdischen Friedhof in Lingen beigesetzt.

Im November 2021 erscheint seine Biografie –  Angela Prenger, Friedhelm Wolski-Prenger: Allein in die Freiheit. Wie ein emsländischer Junge Hitler überlebte, Edition Virgines,  Düsseldorf 2021