Bernhard Grünberg


Zwischen Ende November 1938 und dem Beginn des Zweiten Weltkriegs am 1. gruenbergSeptember 1939 konnten fast 10 000 Kinder im Rahmen von sogenannten Kindertransporten (Refugee Children Movement) aus Deutschland nach Großbritannien ausreisen. Auch Bernhard Grünberg aus Lingen gelang auf diesem Weg die Flucht. Er überlebte so diese Judenverfolgung der Nationalsozialisten.

Von April bis Dezember 1938 machte Bernhard Grünberg (* 1923) als 15-jähriger eine Berufsvorbereitung zum Tischler in der sog. „Umschichtungsstelle“ der Reichsvertretung der Juden in Deutschland in Berlin-Niederschönhausen. Mit großer Wahrscheinlichkeit hat der damalige Leiter Leopold Kuh, liebevoll „Poldi“ genannt, der an der Rettungsaktion für die jüdischen Kinder beteiligt war, dafür gesorgt, dass Bernhard mit konnte und ihn „auf die Liste gesetzt“, wie sich der heute 85-jährige in einem Telefongespräch erinnert.

Bernhard Grünberg reiste darum am 9. Dezember 1938 von Berlin nach Lingen, um sich von seiner Familie zu verabschieden. Familie Grünberg wohnte an der Georgstraße. Am selben Abend kam sein Vater Ludwig aus dem KZ-Buchenwald zurück, wo er mit anderen Juden aus Lingen in Folge der reichsweiten Judenpogrome vom 10. November 1938 vier Wochen in „Schutzhaft“ war.

Am nächsten Tag, dem 10. Dezember, brach Bernhard von Lingen auf, um sich in Berlin zur Abfahrt des Kindertransports am 13. Dezember einzufinden. In Rheine kam es zu einer unerwarteten Begegnung: Ludwig Grünberg stieg zu und begleitete seinen Sohn die letzten Kilometer bis zur holländischen Grenze nach Bentheim. Eine letzte Begegnung mit dem Vater, die das Leben des 85-jährigen bis heute prägt.

Seit Ende der 1980er Jahre berichtet Bernhard Grünberg, der wie viele der geretteten Kinder die englische Staatsbürgerschaft angenommen hat und seinen Namen in Bernard Grunberg anglisierte, in Gesprächen mit Schulklassen und Gruppen, in Lingen oder England (Holocaust Centre Beth Shalom) von seiner Geschichte des Kindertransports.

Im Mai 2001 besuchte Bernhard Grünberg nach 63 Jahren in Begleitung der Historikerin Dr. Inge Lammel, die ebenfalls mit einem Kindertransport 1939 nach England kam und heute wieder in Berlin lebt, das Gelände der ehemaligen Umschichtungsstelle in Pankow-Niederschönhausen, im Gepäck sorgfältig verwahrte Zeugnisse und alte Fotos, die die Geschichte wieder lebendig werden ließen. In der Lingener Tagespost vom 7. Juni 2001 erschien darüber ein Bericht.