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Die Zukunft ist hoffnungsvoll

Von Werner Scholz

Lingen (eb) – Gemeinsam gedachten das Forum JudenChristen, Mitglieder der jüdischen Gemeinde Osnabrück, Vertreter der Stadt Lingen und weitere Teilnehmer an der Jüdischen Schule der Opfer der Pogromnacht vom 9. November 1938.el-am-sonntag_24-11-02_03

“Alljährlich versammeln wir uns hier am Gedenkort Jüdische Schule, um uns daran zu erinnern, dass, in dieser Nacht Synagogen in ganz Deutschland brannten. Angehörige von SA und SS zertrümmerten die Schaufenster jüdischer Geschäfte, demolierten die Wohnungen jüdischer Bürger und misshandelten die Bewohner”; sagte der Vorsitzende des Forums Juden-Christen, Reinhold Hoffmann.

Die Bilanz der Terrornacht: 91 Tote, weit über 2000 zerstörte Gottes- und Gemeindehäuser sowie 7500 verwüstete Geschäfte. Die Lingener Synagoge wurde kurz nach Mitternacht niedergebrannt.el-am-sonntag_24-11-02_02

“Auch in unserer Stadt konnten die Nazis vor den Augen der Bevölkerung ungehindert ihr unsägliches Treiben durchführen”, sagte Hoffmann, der auch an die ersten Deportationen von Westerbork nach Auschwitz erinnerte. “Die letzten Bewohner des Lingener Judenhauses traten vor 60 Jahren die Reise nach Theresienstadt an. Es gilt, an diesen Teil unserer Vergangenheit zu erinnern – aus ihr zu lernen hilft, in der Gegenwart zu leben”, mahnte Hoffmann.

  Zu den Gästen zählte auch der Vorstandsvorsitzende des Kamp Westerbork, Jan de Graaf, der in einer bewegenden Rede ebenfalls an die Verbrechen der Nationalsozialisten erinnerte. “Nicht die Geschichte wiederholt sich, sondern die Menschen. Noch immer gibt es Rassismus, Intoleranz und Vorurteile, die wir bekämpfen müssen”, so de Graaf. Jedoch setzten sich heute mehr und mehr junge Menschen gegen das Unrecht ein. “Dabei sind Friedensgruppen, Flüchtlingsorganisationen oder Einrichtungen wie die Geschichtswerkstatt Samuel Manne wichtig. Man kann sagen, die Zukunft ist hoffnungsvoll”, hob deGraaf hervor.el-am-sonntag_24-11-02_01

“Damals brachten nur wenige ihren Einsatz öffentlich zum Ausdruck. Was passiert ist, darf sich nicht wiederholen”, mahnte Lingens Oberbürgermeister Heiner Pott. Anschließend wurde dort, wo einst die Synagoge stand, ein Kranz niedergelegt. Es wurde gemeinsam gebetet und für jedes Lingener Opfer der nationalsozialistischen Diktatur eine Kerze entzündet und schweigend zum Gedenkstein der jüdischen Familien Lingens getragen.

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