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Über Internet Kontakte geknüpft

Dem Forum Juden-Christen Altkreis Lingen e.V. ist es zu verdanken, dass innerhalb von nur drei Wochen nach den ersten Internet-Kontakten die in Schweden lebende Eva Zajd (geborene Manne) und Renee Manne als Töchter der von den Nazis zum Teil ermordeten und geschändeten Familie Manne aus Freren das Haus wieder sehen konnten, in dem ihre Familie bis zur Deportation am 12. Dezember 1941 lebte. In dem ehemaligen jüdischen Bethaus an der Grulandstraße wurde am 31. Dezember 1939 ihr Bruder Samuel als letzter jüdischer Junge geboren. Er wurde am 2. November 1943 zusammen mit seiner am 4. März 1873 geborenen Großmutter Emma Schwarz von den Nazis im Getto Riga ermordet. Ihre Mutter Erika Berta überlebte den Naziterror und wandert nach Schweden aus, wo sie im letzten Jahr nach langer, schwerer Krankheit in Stockholm gestorben ist.

hlw Freren
Bürgermeister Klaus Prekel und Stadtdirektor Godehard Ritz hießen am Samstagmittag, 8. November, zusammen mit Vertretern des Forum Juden-Christen im Frerener Rathaus Eva Zajd und Renee Manne willkommen. Er dankte Lothar Kuhrts, der in der Frerener Geschichtswerkstatt, deren Patenschaft die das Warschauer Ghetto überlebende Schriftstellerin Janina David aus London übernommen hat, seit 25 Jahren das Schicksal der jüdischen Menschen in und um Freren aufarbeitet. Prekel entschuldigte sich in aller Form bei den auf der Insel Lidingö vor Stockholm lebenden Töchtern der Familie Manne für das unfassbare Leid, das die Nationalsozialisten und ihre Mittäter in Freren ihrer Familie und anderen jüdischen Menschen angetan haben. „Wir Deutschen wollen und können diese Unmenschlichkeiten nicht vergessen machen. Deshalb ist es besonders wichtig, dass wir hier in Freren durch Lothar Kuhrts und dem Arbeitskreis Judentum-Christentum mit der Geschichtswerkstatt „Samuel Manne“, mit dem Forum Juden-Christen und der Wiederherstellung des Wohnhauses ihrer Familie mit dem Lernort „Jüdisches Bethaus“ die Geschichte wach halten. Mahnen und lehrreich soll dieses Haus dafür sorgen, dass weder vergessen, noch verschwiegen wird, sondern durch Aufklärung erreicht wird, dass sich solche Vorgänge von Intoleranz und Gewalt nie wiederholen!“, mahnte Prekel.gn_10-11-03

Bevor sich Eva und Renee ins goldene Buch der Stadt Freren eintrugen, überreichte ihnen  Prekel und Ritz ein Buch über Freren, dem Heimatort ihrer Eltern, in dem im 13. Kapitel die Geschichte der Synagogengemeinde Frerens abgehandelt wird. Im Rahmen des Stadtrundgangs führte Lothar Kuhrts die beiden Schwedinnen auch zum Haus ihrer Eltern, der ehemaligen Synagoge, das innerhalb von nur vier Monaten restauriert und zum Lernort „Jüdisches Bethaus“ umgestaltet worden war. Dass sie hier stets willkommen sind, sollte der vom Vorsitzende des Forum Juden-Christen, Reinhold Hoffmann, überreichte Türschlüssel signalisieren. Eva Zajd und Renee Manne wollen dieses Symbol in einer silbernen Schachtel ihrer Mutter aufheben und wie die beiden überreichten Bilder vom alten und neuen Bethaus in Ehren aufbewahren. Bevor sie in der „Samuel-Manne-Geschichtswerkstatt“ zwei alte Bekannte ihrer Mutter trafen, besuchten sie die Grabstelle ihrer Familie auf dem jüdischen Friedhof, der seit Jahren von Lothar Kuhrts mit Schulkindern pflegt wird. Am Sonntag nahmen die Mannestöchter an der Gedenkveranstaltung  zum Reichspogrom in Lingen teil und gedachten im ökumenischen Gottesdienst in St. Josef Kirche in Lingen-Laxten aller Opfer des Naziregimes.

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