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Aus Anlass des 60. Jahrestages der Vertreibung der jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger aus Lingen gab es eine Gedenkveranstaltung im Ratssitzungssaal des Neuen Rathauses, die Oberstufenschüler der Lingener Gymnasien gestalteten.

Oberbürgermeister Heiner Pott dankte den Schülern und ihren Lehrern. Durch ihr Engagement ermöglichten sie es, dieser Veranstaltung einen besonderen Charakter zu verleihen. ,,Wir sind hier zusammen gekommen, um an ein Ereignis zu erinnern, das vor 60 Jahren geschah. Wir verbinden es mit einer Würdigung der damals Betroffenen”, so Pott, der auf die ungewöhnliche Form der Gedenkveranstaltung aufmerksam machte. Es sei wichtig, diejenigen zu Wort kommen zu lassen, die ihre Zukunft noch vor sich hätten, damit sie aus der Vergangenheit lernen könnten.

Pott erinnerte kurz an die Vorgänge im November 1938, mit denen die systematische Vertreibung und später die Vernichtung der Juden begann, und an die späteren Ereignisse, die schließlich dazu führten, dass nach rund 250 Jahren das jüdische Leben in Lingen zu Ende war.

schuelerIn der Gedenkstunde kamen die Deportierten und Zeitzeugen zu Wort. Die Schüler des Johanneums, Georgianums und des Franziskusgymnasiums lasen im Wechsel aus deren Erinnerungen, sie stellten die Lingener Juden vor, die am 11. Dezember 1941 verschleppt wurden, brachten Auszüge aus Dokumenten, z.B. aus der Benachrichtigung von der bevorstehenden Deportation. Darin heißt es: ,,Sie werden hiermit für einen besonderen, vordringlichen und auswärtigen Arbeitseinsatz eingezogen.”

Die Berichte der Überlebenden geben Zeugnis von der Barbarei. An die Wand projizierte Bilder der deportierten Lingener Juden verstärkten die Wirkung des Wortes. Oberbürgermeister Pott dankte den Beteiligten für ihren Einsatz und rief die Schüler dazu auf, sich für den Erhalt der Demokratie einzusetzen und sich einzumischen.

,,Was uns heute beschäftigt, ist die Frage, was dazu geführt hat”, sagte er und erinnerte an den neuerlichen großen Aufmarsch der Neonazis in Berlin. Dies mache deutlich, dass das Gedankengut, mit dem die Verbrechen des Naziregimes gerechtfertigt wurden, leider immer noch lebendig sei. Deshalb sei es wichtig, dass sich junge Menschen für Politik interessierten und sie mitgestalteten. Pott lud die Schüler ein, Gespräche mit Politikern zu führen oder ihn persönlich im Rathaus zu besuchen. Er sei auch gerne bereit, in die Schulen zu kommen.

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