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Vor 20 Jahren Arbeitskreis Judentum-Christentum in Laxten gegründet – Boss: Menschliche Brücke errichtet

Lingen (pe)
Es gibt Menschen, die durch besondere Initiativen eine Dynamik auslösen, die von nachhaltiger Dauer ist. Josef Möddel aus Lingen-Damaschke ist so eine Persönlichkeit. Die Stadt Lingen und das Forum Juden-Christen würdigten im Rahmen einer kleinen Feierstunde im Gemeindehaus in Laxten die Verdienste des 60-jährigen Pädagogen, der vor 20 Jahren, im April 1983, den Arbeitskreis Judentum-Christentum, gegründet hatte.

Der Vorsitzende des Forums Juden-Christen, Reinhold Hoffmann, hatte neben Möddel und seiner Frau Angela auch Clara Begger aus Lingen und den Lengericher Gerhard Sels eingeladen. Lothar Kuhrts aus Freren war verhindert. Die Wegbegleiter des inzwischen pensionierten Oberstudienrates geben bis heute wichtige Impulse zur Verständigung zwischen beiden Religionen und zur Erinnerung an das einstmals vielfältige jüdische Gemeindeleben in der Region.

Der Gründungsversammlung am 5. April 1983, an der einige Jugendliche und Erwachsene im Jugendheim von St. Josef teilgenommen hatten, waren bereits einige Aktivitäten von Möddel und anderen engagierten Christen vorausgegangen. In den Blickpunkt der Gruppe rückte zunächst der jüdische Friedhof an der Weidestraße. Umgestürzte Grabsteine und Grünabfälle, die vom benachbarten christlichen Friedhof achtlos über die kleine Mauer geworfen wurden, prägten damals das triste Bild der jahrhundertealten Begräbnisstätte. ,,Wir haben dann bei Bürgermeister Klukkert angerufen und gefragt, ob wir vom Bauhof einen Sack Zement bekommen könnten“, erinnerte sich Möddel. ,,Klar“, habe Klukkert geantwortet.lt_10-04-03

Die kleine Begebenheit beschreibt die Vorgehensweise von Josef Möddel in diesen Jahren recht anschaulich: Immer auf Ausgleich bedacht, aber hartnäckig in der Sache verfolgten er und weitere Mitglieder im Arbeitskreis ihr Ziel, die beinahe schon vergessene jüdische Geschichte der Stadt Lingen wieder ins Bewusstsein der Kommune und ihrer Bürger zu rücken. Die Einrichtung des Gedenkortes Jüdische Schule bildete den markantesten Punkt dieser Entwicklung. Auch an den Vorbereitungen zur Verleihung der Ehrenbürgerschaften an Ruth Foster, geborene Heilbronn, und Bernhard Grünberg hatte Möddel maßgeblichen Anteil. Schmunzelnd erzählte er, wie er den damaligen Oberstadtdirektor Karl-Heinz Vehring bei einem Spaziergang in strömendem Regen getroffen und auf dem Bürgersteig ,,unterm Regenschirm“ von der Notwendigkeit einer solchen Verleihung überzeugt habe.

Forumsvorsitzender Reinhold Hoffmann sprach Möddel seinen Dank für diese aufopferungsvolle Arbeit in all’ den Jahren aus und bezog in diesen Dank auch Clara Begger, Anne Scherger, Gerhard Sels, Lothar Kuhrts und Johannes Wiemker mit ein. Hoffmann erinnerte zugleich mit Blick auf den Ersten Stadtrat Ulrich Boss an das enorme Engagement der Stadt Lingen, die die Anliegen des Arbeitskreises und späteren Forums Juden-Christen immer unterstützt habe.

Die Arbeit des Arbeitskreises Judentum-Christentum sei für die Stadt Lingen und für die Region von herausragender Bedeutung gewesen, würdigte Ulrich Boss die Verdienste von Josef Möddel und seiner Wegbegleiter. ,,Sie alle haben maßgeblich am Wiederaufbau einer menschlichen Brücke zwischen Juden und Christen mitgewirkt, die über viele Jahrzehnte in unserer Stadt abgerissen war“, sagte der Erste Stadtrat.

Boss erinnerte in diesem Zusammenhang an die intensiven Nachforschungen des Arbeitskreises über die Lebens- und Leidenswege seiner ehemaligen jüdischen Mitbürger, Einladungen von Zeitzeugen, den Aufbau der Jüdischen Schule als Gedenkort, die alljährliche Gestaltung des Gedenktages zur Reichspogromnacht und zahlreiche themenbezogene Kulturveranstaltungen. Diese wertvolle Arbeit habe zur Überwindung von Sprachlosigkeit und Berührungsängsten den Holocaustopfern gegenüber beigetragen. Menschen wie Josef Möddel hätten einen neuen Dialog zwischen Juden und Christen und zwischen Vergangenheit und Zukunft initiiert, sagte der Erste Stadtrat abschließend. ,,Sie haben es sich zur Lebensaufgabe gemacht, für Verständigung und Versöhnung einzutreten“.

Josef Möddel selbst war es gar nicht so recht, im Mittelpunkt zu stehen. Er freute sich deshalb umso mehr, die ihm zugedachten Blumen weiterreichen zu können an seine Frau Angela. ,,Sie hatte die ganze Arbeit“, erinnerte der 60-Jährige zum Beispiel an unzählige Besuche bei ihnen zu Hause. Den Dialog zwischen Juden und Christen verstand Josef Möddel eben nie als Seminarveranstaltung, sondern vor allem als Einladung zum persönlichen Gespräch.

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