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Heimatverein kooperiert mit Forum

Die Vorsitzende des Heimatvereins Lingen, Johanna Rickling, hat in der Mitgliederversammlung des Forums Juden-Christen die Absicht des Vereins unterstrichen, auch künftig mit dem Forum gemeinsame Veranstaltungen durchzuführen, „weil die jüdischen Bürgerinnen und Bürger zur Stadtgeschichte gehören“.

Kassenwartin Ingrid Hartmann berichtete von soliden Finanzen. Großen Dank zollte sie Edeltraut Graeßner für deren Hilfe bei der Buchführung. Ein Darlehen soll Ende des Jahres zurückgezahlt sein. Kassenprüfer Rüdiger van Acken stellte eine exzellente Führung der Kasse fest; der Vorstand wurde einstimmig entlastet.

Anne Scherger erläuterte den Entwurf einer Zeichnung für den Innenraum der Jüdischen Schule. Auf Anregung des Vorstandes hatte sie den mit ihr befreundeten Künstler Pinchas Katz darum gebeten. Katz möchte gerne ein Bild in einer Größe von 1,15 mal 0,70 Meter in Öl auf Holz malen. Es zeigt die Zerstörung der Lingener Synagoge am 9. November 1938.

Zur Einstimmung auf die Versammlung sang Johannes Wiemker die jüdischen Lieder Avinu Malkénu („Unser Vater, unser König“) und Shalom Aléchem („Der Friede sei mit Euch“).

Patenschaften für 20 weitere „Stolpersteine“

Die Fortführung der Aktion „Stolpersteine“ in Lingen zur Erinnerung an ermordete jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger findet große Resonanz. Darauf machte Anne Scherger in der Mitgliederversammlung des Forums Juden-Christen Altkreis Lingen e. V. im Gedenkort Jüdische Schule aufmerksam.

„Institutionen, Vereine und Privatpersonen haben sich bereit erklärt, mindestens 20 weitere Stolpersteine zu finanzieren und Patenschaften für die Steine zu übernehmen“, freute sich Anne Scherger. Sie erforscht seit vielen Jahren akribisch das Schicksal von Lingener Juden. Die Stolpersteine mit den eingravierten Namen der Opfer werden vom Künstler Gunter Demnig aus Köln hergestellt. In vielen deutschen Städten wurden in den letzten Jahren derartige Erinnerungssteine verlegt; in Lingen versenkte Demnig im April 2005 im Beisein vieler Bürger zwölf Stolpersteine ins Pflaster.

Nach einer Empfehlung des Kulturausschusses wird die Stadt 3 000 Euro für das Projekt bereitstellen. Das Geld soll für die Erstellung einer Dokumentation verwendet werden, in der das Schicksal aller Opfer beschrieben wird. Die Federführung hat hier Stadtarchivar Dr. Stephan Schwenke.

Mit großer Freude wurde in der Mitgliederversammlung die Mitteilung aufgenommen, dass der Lingener Ehrenbürger Bernhard Grünberg zur Einweihung der weiteren Stolpersteine, die auch an seine Eltern und seine Schwester erinnern, von England in die Emsstadt kommen möchte.

In Vertretung des erkrankten Vorsitzenden Dr. Walter Klöppel, dem die Mitglieder die besten Genesungswünsche aussprachen, umriss sein Stellvertreter Dr. Heribert Lange das Selbstverständnis des Vereins: „Wir verstehen uns als Sachwalter der Erinnerung und des Gedenkens an die Shoah, die von Deutschen inszeniert und exekutiert wurde und unter den Augen weiter Teile der Kirchen stattgefunden hat und zumindest einen Teil ihrer geistigen Wurzeln im Antijudaismus der christlichen Theologie hat.“ Die Erinnerung an dieses geistige und menschliche Inferno verpflichte dazu, sich für den Prozess der Versöhnung anzustrengen.

Nach einem Rückblick auf das abgelaufene Vereinsjahr erläuterte Dr. Lange das geplante Programm für 2010 und 2011. Das Jüdische Morgengebet wird am 3. Oktober im Jüdischen Bethaus in Freren stattfinden. Dazu soll auch die von Lothar Kuhrts und Heiner Schüpp entwickelte Dauerausstellung eröffnet werden, die sich mit der Geschichte des Bethauses, vor allem aber mit dem Schicksal der Frerener und Lengericher Juden befasst.

Zum Holocaust-Gedenktag am 27. Januar wird die Ausstellung unter dem Thema „Kein Kinderspiel“ gezeigt. Darin geht es um Spielzeug, das Kinder im KZ Theresienstadt herstellten. Das Forum wird sich wie immer an den Gedenkfeiern zur Reichspogromnacht vom 9. November 1938 sowie an der Woche der Brüderlichkeit im Frühjahr 2011 beteiligen. Geplant sind ab Herbst 2010 auch wieder Lehrhausgespräche, deren inhaltliche Themen gerade vorbereitet werden. Im Rahmen des laufenden Programms wird am 16. Mai die neue Synagoge in Osnabrück besucht.

Johannes Wiemker lobte Lingener Schüler dafür, dass sie sein Programmangebot „Judentum begreifen“ gerne in Anspruch nehmen. Wer Interesse an dem Programm hat, kann sich mit Andreas Löpker von der Stadt Lingen, Telefon 0591/9144412, E-Mail: a.loepker@lingen.de, oder mit Johannes Wiemker, Telefon 0591/5646, E-Mail johannes.wiemker@gmx.de, in Verbindung setzen.

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