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Gedenkfeier in Lengeich

Lengerich (MB)
Zu einer Trauerstunde um die während des Holocaust ermordeten Juden aus Lengerich und darüber hinaus wurde die von den Pastorinnen Elke Mengel und Frauke Schaefer vorbereitete Gedenkfeier am Gedenkstein im Lengericher Bürgerpark.

Samtgemeindebürgermeister Josef Liesen begrüßte unter den Teilnehmern

besonders Bernhard Grünberg, der früher in Lingen wohnte und jetzt in Großbritannien lebt. Gedenktage seien Zeiten der Trauer und der Mahnung. In besonderer Weise treffe das zu auf den 9. November, der als Reichpogromnacht ein trauriges Menetekel in der deutschen Geschichte geworden sei.

gedenken_2001_lengerichSchrecken und Leid seien damals über die jüdischen Mitbürger gebracht worden und Gewalt und Zerstörung über ihr Eigentum. Damals seien in Deutschland und Österreich praktisch alle Synagogen vernichtet worden, jüdische Mitbürger misshandelt, ihre Geschäfte geschlossen und im Rahmen der sogenannten ,,Arisierung” später enteignet worden. Das alles sei der Auftakt des Holocaust, der Vernichtung der europäischen Juden, gewesen.

Auch damals hätten sich tapfere Menschen gegen das Unrecht empört, das im Namen Deutschlands geschah. Er wolle nur die Geschwister Scholl nennen oder Dietrich Bonhoeffer. Ihr aufrechtes Beispiel solle uns Heutigen aber aufrufen, mutig der Gewalt entgegenzuwirken, wo immer sie uns begegnet. Wir alle seien aufgerufen, die Opfer nicht zu vergessen und dafür einzutreten, dass sich Vergleichbares nicht wiederholt.

Pastorin Elke Mengel erinnerte in einer eindrucksvollen Ansprache an das Schicksal von Angehörigen der Lengericher Familien Heilbronn und vieler anderer Juden unseres Raumes, die mit dem ,,Rigaer Transport” vor 60 Jahren nach Lettland in verschiedene von der SS eingerichtete Lager verschleppt worden seien. Das Rigaer Lager sei heute zu einer Gedenkstätte geworden, und über dem Eingangstor werde mit dem Satz ,,Hinter diesem Tor schreit die Erde” an die unvorstellbaren Schrecken der Lagerhaft und das unermessliche Leid erinnert, das Menschen hier zugefügt worden sei. Im Lager selber ticke an zentraler Stelle eine große Uhr. Sie solle für uns eine Mahnung sein, uns stets daran zu erinnern, dass zwar die Zeit vergehe, das schreckliche Geschehen aber nicht vergessen werden dürfe.

Bernhard Grünberg schilderte kurz seine Lebensgeschichte. Im März 1923 geboren, habe er zunächst wie alle Kinder in diesem Alter ein gutes Leben gehabt. Wegen der zunehmenden Repressalien in der Schule habe sein Vater entschieden, ihn einen handwerklichen Beruf lernen zu lassen, damit er auch bei einer Auswanderung nach Israel seinen Mann stehen könne.

1938 sei er zu einer ,,Umschichtungsstelle” nach Berlin gekommen. Wegen der Reichspogromnacht habe die Reichsvertretung der Juden in Deutschland offiziell bei der englischen Regierung gebeten, jüdische Flüchtlinge aufzunehmen. Diese Einwanderung sei dann Kindern zwischen zwei und siebzehn Jahren erlaubt worden. So sei er nach England gekommen und habe überlebt, 6 Millionen Juden hätten nicht ein so gutes Schicksal gehabt und seien ermordet worden.

Nachdem Pastorin Elke Mengel an die Namen der Familienangehörigen der drei Lengericher Familien Heilbronn erinnert hatte, wurde für jeden der Toten ein mit seinem Namen beschrifteter Stein vor den Gedenkstein gelegt. Auch die von Pastorin Frauke Schaefer und Clemens Driever gesprochenen Fürbitten standen unter dem Zeichen der Erinnerung und Mahnung, aber auch der aktuellen Politik. Mit dem von Bernhard Grünberg gesprochenem Totengebet und einem gemeinsamen Lied wurde die Gedenkfeier beschlossen.

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