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Ausstellung in der Lingener Friedensschule eröffnet – Aktuelle Bezüge

Lingen (pe)
Die Worte Bernhard Süskinds in der Friedensschule werden bei den jungen Leuten so schnell nicht verhallen. Nicht nur wegen des Vortrages selbst. Gleichzeitig wurde gestern nämlich im ersten Stock eine Ausstellung eröffnet, die ein zentrales Thema im Vortrag von Süskind weiter vertieft: die Reichspogromnacht vom 9./10. November 1938.lt-06-11-03_2

Lehrer Paul Haverkamp erklärte in seiner Einführung, dass auch Bernhard Süskind zu dieser Ausstellung beigetragen habe. „Das Material, das die Ereignisse zur damaligen Zeit in Fürstenau beschreibt, stammt von ihm”, dankte der Pädagoge dem 82-Jährigen für sein Mitwirken.

Es war ein bewegender Moment, als Süskind vor dem Bildnis aus seiner Jugend stand und auf den jungen Süskind und seine Lebensgeschichte schaute. Die Ausstellung wolle, so Haverkamp, einen vierfachen Schwerpunkt setzen.

Im ersten Teil wird die Vorgeschichte der Reichspogromnacht beleuchtet, die kein isoliertes und singuläres Ereignis der Judenverfolgung war. Der zweite Teil thematisiert den Anlass, die Ursachen und den Ablauf des 9./10. November in Deutschland. Sie legt dar, welcher Anlass zum Pogrom führte und wie die Nazis in Gesamtdeutschland den Pogrom organisierten, in dessen Verlauf 191 Synagogen niedergebrannt, 91 Juden getötet und ca. 30. 000 Juden in Konzentrationslager interniert wurden. Im dritten Teil wird der Blick fokussiert auf die Situation des 9./10. November im Emsland und seiner näheren Umgebung und der Frage nachgegangen, wie es in dieser Nacht in Haren, Werlte, Sögel, Lingen, Haselünne usw. aussah. Haverkamp: „Den Schülern soll bewusst gemacht werden, dass diese Nacht auch Spuren in ihrer eigenen unmittelbaren Umgebung hinterlassen hat, dass auch in Lingen Menschen jüdischen Glaubens misshandelt und ihrer Freiheit und Würde beraubt wurden.” Im vierten Teil wird darauf hingewiesen, dass die Vergangenheit die Gegenwart immer wieder einholt. Auch heute noch werden Minderheiten in Deutschland Opfer von Menschenrechtsverletzungen.

Haverkamp endete mit einem Zitat von Molière: „Wir sind nicht nur verantwortlich für das, was wir tun, sondern auch für das, was wir nicht tun.”

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