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Vereinbarung mit Forum – Gespräche in Berlin

Lingen (pe)
Einen regelmäßigen Dialog hat das Forum Juden-Christen im Altkreis Lingen mit dem Zentralrat der Juden in Deutschland vereinbart. Dies ist das Ergebnis eines Besuches von Reinhold Hoffmann, Vorsitzender des Forums, in Berlin. Begleitet wurde Hoffmann von Lingens Kulturdezernentin Dr. Claudia Haarmann und Museumsleiter Dr. Andreas Eiynck.lt-02-11-02

In einem Gespräch mit unserer Zeitung zog Hoffmann eine positive Bilanz des Abstechers nach Berlin, wo die Gruppe aus Lingen auch mit Vertretern des American Jewish Committee, der Jüdischen Gemeinde von Berlin und dem Jüdischen Museum zusammen traf.

Das American Jewish Committee konzipiert nach Angaben Hoffmanns unter anderem Seminare, die sich mit dem Antisemitismus, seinen Ursachen und Auswirkungen beschäftigen. ,,Angesprochen sind vor allem Lehrkräfte”, erläuterte der Baccumer. Ob eine engere Zusammenarbeit mit dem Komitee möglich sei, solle weiter geprüft werden, sagte Hoffmann.

Fest vereinbart ist diese mit dem Zentralrat der Juden in Deutschland. Gesprächspartner war Dr. Peter Fischer, unter anderem zuständig für die Gedenkstätten in Deutschland. ,,Unser Anliegen war eine zentrale Erfassung dieser Gedenkstätten, zu denen ja auch die Jüdische Schule gehört”, erklärte Hoffmann. Abgesprochen wurden regelmäßige Arbeitstreffen im nächsten Jahr, die abwechselnd in Berlin und im Altkreis Lingen stattfinden sollen. Wie Fischer mitgeteilt habe, werde an diesen Treffen auch der Direktor der “Stiftung Neue Synagoge Berlin – Centrum Judaicum”, Dr. Hermann Simon, teilnehmen, betonte Hoffmann.

In dem Gespräch mit unserer Zeitung sagte der Forumsvorsitzende, dass das Judentum thematisch nicht auf den Holocaust begrenzt werden dürfe. ,,Wir wollen in unserer Arbeit auch deutlich machen, was das jüdische Leben und den Glauben ausmacht, um so Hemmschwellen abzubauen”. In diesem Zusammenhang habe Dr. Peter Fischer vom Zentralrat der Juden in Deutschland davor gewarnt, als Christen die Juden ,,nachzuleben”. Vielmehr gelte es, mit Juden in einen Dialog zu treten. Diesem Ziel diene auch der vereinbarte ständige Gesprächskontakt.

Der Zentralrat sei im Übrigen beeindruckt von der Arbeit des Forums und seines Vorgängers, des Arbeitskreises Judentum-Christentum gewesen, merkte Hoffmann weiter an. Dies gelte auch für die jüngsten Pläne, das ehemalige jüdische Bethaus in Freren zu einem Ort der Begegnung zu machen. Wie berichtet, haben der Vorsitzende des Zentralrates, Paul Spiegel, und der niedersächsische Ministerpräsident Sigmar Gabriel die Schirmherrschaft für das Vorhaben übernommen.

Neugierig auf die Arbeit des Forums ist auch die Jüdische Gemeinde von Berlin. Ende Januar 2003 wird deren Vorsitzender Dr. Alexander Brenner in den Altkreis Lingen kommen. Unvergessen ist in der Emsstadt der bewegende Besuch von Jerzy Kanal, damaliger Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde, im Januar 1997.

Letzte Station des Besuchs der Lingener war das Jüdische Museum. Die Darstellung des Holocaust ziele dort sehr stark auf die Geschehnisse in den städtischen Zentren Nazideutschlands ab und weniger auf die Regionen, sagte Hoffmann. ,,So gibt es zum Beispiel keine Informationen über den so genannten Bielefelder Transport, in dem ja auch Juden aus dem Raum Lingen nach Osten deportiert wurden”. Im Gespräch mit einer Vertreterin des Jüdischen Museums kam man deshalb überein, im nächsten Jahr der dortigen Bücherei Veröffentlichungen von Anne Scherger aus Lingen und Lothar Kuhrts aus Freren zu übergeben.

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