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Gestern Richtfest in der Frerener Grulandstraße – Großes Engagement der Kinder – Schreiben aus den USA

Freren (pe)
In die Mitte genommen: baulich stimmt dies bereits für das zwischen der evangelischen und katholischen Kirche gelegene jüdische Bethaus in Freren. Wer das feierliche Richtfest am Dienstag in der Grulandstraße erlebt hat, gewann den Eindruck, dass das Gebäude und seine Geschichte nun auch, bildlich gesprochen, in die Mitte des Bewusstseins der Bürger gerückt ist. Es war eine eindrucksvolle Feier, der insbesondere Kinder und Jugendliche aus der Samtgemeinde Freren ihren Stempel aufdrückten.

Auf einer über 100 Meter langen Siloplane hatten die 300 Jungen und Mädchen aus Kindergärten, Grund- und weiterführenden Schulen die Farben des Regenbogens aufgetragen. Der Regenbogen als religiöser Ausdruck für den Bund zwischen Gott und den Menschen überspannte schließlich das Bethaus, festgehalten von Kindern und Jugendlichen, die an der Mauer der evangelischen Kirche und auf dem Parkplatz des Altenpflegeheims nahe der katholischen Kirche standen. ,,Lernort Jüdisches Bethaus“ wird der Name des Gebäudes sein, das derzeit umfassend saniert wird.lt_04-06-03_1

Michael Grünberg, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Osnabrück – sie ist Bauherr des Vorhabens – erinnerte daran, dass das Bethaus bis zum Jahr 1933 zur Synagogengemeinde Fürstenau/Freren gehörte. Grünberg dankte dem Forum Juden-Christen dafür, dass die Arbeiten zur Wiederherstellung nach dem Kauf des Hauses im Jahr 2002 bereits so weit vorangeschritten sind. Der ,,Lernort Jüdisches Bethaus“ solle dazu dienen, andere Kulturen und Religionen kennen zu lernen, sagte Grünberg. ,,Nur so ist ein natürlicher und vertrauensvoller Umgang untereinander, geprägt von gegenseitigem Respekt, möglich“, unterstrich der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Osnabrück.lt_04-06-03_2

Grünberg dankte abschließend allen, die zur Finanzierung des Vorhabens beigetragen hatten. Unter den zahlreichen Gästen der Feierstunde befanden sich unter anderem auch Frerens Bürgermeister Klaus Prekel, der stellvertretende Stadtdirektor Karl Haverbusch, Lengerichs Samtgemeindebürgermeister Josef Liesen, Kreisarchivar Heiner Schüpp und Johann-Alexander Wisniewsky, dessen gleichnamige Stiftung das Projekt ebenfalls finanziell unterstützt hatte.

Reinhold Hoffmann, Vorsitzender des Forums Juden-Christen, würdigte vor allem das Engagement der Kinder und Jugendlichen aus der Samtgemeinde Freren mit ihren Erzieherinnen und Lehrer/innen bei der aktiven Mitgestaltung des Richtfestes. Er sprach die Hoffnung aus, dass das Haus zu einem Ort des Gedenkens, der Begegnung und zu einem Ort, wo Menschen voneinander lernen, werde. Der Standort des Bethauses zwischen evangelischer und katholischer Kirche erinnere die Christen an die Wurzeln ihres Glaubens. Er stelle gleichzeitig eine Aufforderung zum Dialog dar.

Es sei ein Tag der Freude, aber auch der bitteren Erinnerung, las der Vorsitzende des Forums aus einem Schreiben des jüdischen Ehrenbürgers von Fürstenau, Bernhard Süskind. Der in New York lebende Jude berichtete von seinem Vater und Großvater, die jeden Samstag und zu den hohen Feiertagen zu Fuß von Fürstenau nach Freren gegangen seien, um in diesem Haus zu beten. ,,Natürlich kann ich nicht vergessen, dass in meiner Zeit 1938 alle Bethäuser und Synagogen in Deutschland zerstört wurden und das jüdische Leben zum Ende kam“, schrieb Süskind. Hoffmann zitierte außerdem den aus Lengerich stammenden und heute in Kalifornien lebenden Juden Fritz Heilbronn, der sich schon jetzt auf die Einweihung des ,,Lernortes Jüdisches Bethaus“ freue. Dann habe er bei seinen zukünftigen Besuchen in Lengerich wieder einen Ort, an dem er beten könne, schrieb Heilbronn.

Am Ende der Bauarbeiten in der Grulandstraße möge mit dem ,,Lernort Jüdisches Bethaus“ wieder ein Haus stehen, das an seine über 100-jährige Geschichte erinnere, das wegen seiner Inhalte akzeptiert sei und als Gebäude zu einer Verschönerung des historischen Stadtbildes von Freren beitragen werde, wünschte Hoffmann im Namen des Forums abschließend.

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