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Klassen besuchten gestern Gedenkort in Lingen

Lingen (pe)
Im Rahmen der Gedenkveranstaltungen des Forums Juden-Christen aus Anlass der Exzesse gegen die jüdische Bevölkerung in Deutschland am 9. November 1938 war es dem Forum ein besonderes Anliegen, die Schulen in Lingen stärker einzubinden.

lt-12-11-02_2Gestern trafen deshalb Schülerinnen und Schüler aus der Friedensschule, Gebrüder-Grimm-Schule, der IGS, den Gymnasien Johanneum und Georgianum und der Marienschule, begleitet von ihren Lehrern, am Gedenkort Jüdische Schule ein. ,,Ähnlich, wie es an den Gedenktagen in Freren bereits seit Jahren geschieht, wollen wir auch in Lingen verstärkt die Schulen einbeziehen”, erläuterte Reinhold Hoffmann, Vorsitzender des Forums.

Montag Mittag war die zehnte Hauptschulklasse der Marienschule mit Lehrer Benno Vocks zur Jüdischen Schule gekommen. Viele junge Leute betraten zum ersten Mal den kleinen Raum, in dem Museumsleiter Dr. Andreas Eiynck anhand der Ausstellung darin über das jüdische Leben in Lingen und den Holocaust berichtete. Die meisten Juden aus der Stadt fielen ihm zum Opfer.

Zuvor hatte Lehrer Benno Vocks draußen vor der Schule am Gedenkstein für die jüdischen Familien aus Lingen ein Bild von der 1938 zerstörten Synagoge gezeigt, die wenige Meter von der Schule entfernt gestanden hatte.

,,Was müssen damals wohl die Lingener Bürger angesichts dieser Ereignisse gedacht oder gemacht haben?”, fragte der Pädagoge und versuchte selbst, eine Antwort zu geben. Vielen möge es relativ gleichgültig gewesen sein, andere, die das Unrecht gespürt hätten, seien vielleicht auch aus Furcht stumm geblieben. Dieser Gedenktag gebe deshalb gerade jungen Leuten die Möglichkeit, vor dem Hintergrund ausländerfeindlicher Tendenzen heutzutage über das eigene Verhalten nachzudenken, wandte sich Vocks an die Schülerinnen und Schüler.

Diese lasen anschließend einige Namen von jüdischen Familien auf dem Stein vor. Die Gravuren beginnen mit ,,Baumgarten” und enden mit ,,Wolff”. Jakob Wolff, der letzte Synagogenvorsteher Lingens, hatte die Zerstörung des Gebetshauses noch mit erlebt, bevor er im April 1941 starb.

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