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Jüdische Gemeinde Osnabrück kaufte ehemaliges jüdisches Bethaus in Freren

Das Forum Juden – Christen Altkreis Lingen e.V. hat sich seit einigen Monaten bemüht, das einzige jüdische Bethaus seiner Art in der Region für die Nachwelt zu erhalten. Die Bemühungen haben jetzt Früchte getragen, denn nun ist der Kauf unter Dach und Fach. Dies gab am Mittwoch, 17. Juli, Forumsvorsitzender Reinhold Hoffmann im Rahmen eines Straßengespräches vor dem Bethaus in Freren an Grulandstraße bekannt. „Das Bethaus wurde für 60.000 Euro erworben und soll zu einem Ort des Dialoges, der Toleranz, des Gedenkens und der Mahnung werden!”, stellte Hoffmann heraus und freute sich, dass der Vorsitzende des Zentralrates der Juden in Deutschland Paul Spiegel spontan die Schirmherrschaft über das Projekt übernommen hat.gn-18-07-02_1

hlw Freren Zu einem „Straßengespräch” hatte das Forum Juden – Christen nach Freren eingeladen, um mit Vertretern der Jüdischen Gemeinde Osnabrück, vom Forum, der Stadt Freren und des Landkreises Emsland das Vorhaben zu erklären. Zu den besonderen Gästen zählten die Enkelin des letzten Vorstehers der Frerener jüdischen Gemeinde, Josefine Kolbe aus Osnabrück und Bernhard Suskind von der früheren jüdischen Gemeinde Freren-Fürstenau, der in die USA ausgewandert war. Beide waren sichtbar gerührt und den Tränen  nahe sprach Josefine Kolbe ein schlichtes Danke aus. Das jüdische Bethaus ist das älteste noch erhaltene seiner Art in der Region und soll, so der Wunsch des Forums Juden-Christen, für insgesamt 255.000 Euro saniert und ausgestattet werden. 50 Prozent der Kosten kommen nach Angaben des Amtes für Agrarstruktur aus dem Topf „Pro Land”, der Rest der Mittel soll durch Stiftungsmittel und Spenden aufgebracht werden. Bedeutende Spenden waren bisher 30000 Euro von der Sparkassen-Stiftung und 15000 Euro aus der Wisniewsky-Stiftung. Reinhold Hoffmann freute sich, dass der in die USA emigrierte Fritz Heilbronn aus der ehemaligen jüdischen Gemeinde in Lengerich 100 Dollar geschickt hatte und gab dies als Anstoß für weitere Spenden. Insbesondere dankte er seinem Vertreter und Leiter der Jüdischen Geschichtswerkstatt „Samuel Manne”, Lothar Kuhrts, der in über 20 Jahren die jüdische Geschichte in und um Freren bis ins kleinste Detail aufgearbeitet hat. Hoffmann sicherte allen zu, dass an dem Bethaus erst etwas geschehe, wenn alle gehört und informiert sein werden.gn_18-07-02_2

In der Gesprächsrunde, zu der Frerens Bürgermeister Klaus Prekel, Samtgemeindebürgermeister und Stadtdirektor Godehard Ritz und Erster Kreisrat Reinhard Winter zählten, sprach der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Osnabrück Michael Grünberg deutliche Worte. „Wenn ich die Diskussionen in der Politik und Gesellschaft höre, könnte ich weglaufen! Wenn ich aber mit Leuten wie Reinhold Hoffmann und Lothar Kuhrts zusammenkomme, gibt dies mir wieder Mut und Zuversicht!”, so Grünberg. Frerens Ehrenbürger Rektor Bernhard Fritze forderte, dass auch die Schulen an das Bethaus herangeführt werden müssen. Für die Zukunft, den Aufbau und zum Erhalt des Bethauses als Ort des Dialoges, der Toleranz, des Gedenkens und der Mahnung wollen alle beisteuern. Reinhold Hoffmann sah dies als guten Zeichen und dankte schon jetzt dem Chef der Emslandhallen Alfred Storm, der im Frühjahr 2003 ein Benefizkonzert arrangieren will und den Teilnehmern des von umliegenden Schulen geplanten Sternlaufes. All dies und die Spendenaktion “Ihr Stein zum Erhalt des Bethauses” werde das Projekt Bethaus vom Forum Juden-Christen unterstützen. Er appellierte auch an Privatpersonen, Vereine, Freundeskreise, Kirchengemeinden, Industrie, Handel, Handwerk und Gewerbe und rief um Mithilfe auf. Hoffmann erklärte: „Auch jüdische Mitbürger haben bereits ihre Mithilfe zugesagt!” Bei dem anschließenden Rundgang durch das Bethaus konnten sich alle ein Bild machen und an Hand von historischen Bildern die Vergangenheit in Augenschein nehmen. Die Computeranimation von Willi Kastein gewährte dann einen Blick in das künftige Zentrum, deren Entwürfe Architekt Eberhard Dreyer aus Lingen kostenlos erstellte.

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